TAGESKLINIK FÜR JUGENDLICHE UND JUNGE ERWACHSENE

Tagesklinik Sonnenwende –

psychotherapeutische Tagesbehandlung in Berlin-Spandau In der Tagesklinik Sonnenwende bieten wir ein tagesklinisches Behandlungsangebot für Jugendliche und junge Erwachsene mit verhaltenstherapeutischem Schwerpunkt und tiefenpsychologisch fundierten Anteilen. Unser Ziel ist es, Funktionsniveau, emotionale Stabilität und Teilhabe im Alltag nachhaltig zu verbessern.

Leitbild & Angebot

Die Tagesklinik Sonnenwende versteht sich als therapeutisches Angebot an der Schnittstelle zwischen stationärer und ambulanter Versorgung. Wir bieten Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine verlässliche tagesstrukturierte Behandlung, die psychotherapeutische Intensität mit Alltagsnähe verbindet.

Grundlage unseres Handelns ist ein ganzheitlicher, ressourcenorientierter und integrativer Ansatz. Verhaltenstherapeutische Methoden werden mit tiefenpsychologisch fundierten Elementen verknüpft: Wir arbeiten sowohl an konkreten Symptomen und Verhaltensmustern als auch an zugrunde liegenden Konflikten, Beziehungserfahrungen und inneren Arbeitsmodellen.

Die Jugendlichen verbringen die Vormittage in der Tagesklinik und kehren anschließend in ihr familiäres oder betreutes Umfeld zurück. So können Fortschritte unmittelbar im Alltag erprobt und gemeinsam reflektiert werden. Unser Setting dient sowohl der Vermeidung stationärer Aufnahmen, wenn möglich, als auch der Nachsorge nach Klinikaufenthalten.

Auf einen Blick

  • tagesklinisches Setting ohne Übernachtung
  • werktags ca. 08:30–15:00 Uhr Anwesenheit
  • kleine, geschützte Gruppe (ca. 6–10 Behandlungsplätze)
  • verhaltenstherapeutischer Schwerpunkt + tiefenpsychologisch fundierte Anteile
  • enge Einbindung von Familie, Schule und Jugendhilfe

Zielgruppe

Unser Angebot richtet sich primär an Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren, die aufgrund psychischer oder psychosozialer Belastungen eine intensive therapeutische Begleitung benötigen, jedoch keine vollstationäre Behandlung brauchen. Bei weiter bestehendem Jugendhilfebedarf kann nach § 41 SGB VIII eine Behandlung bis zum vollendeten 23. Lebensjahr erfolgen.

Typische Themen

  • emotionale Störungen, Ängste und Depressionen
  • Verhaltensauffälligkeiten, Impuls- und Emotionsregulationsprobleme
  • schulvermeidendes Verhalten, Leistungsabfall, Prüfungsängste
  • belastende familiäre oder soziale Konflikte
  • psychosomatische Beschwerden
  • Übergangssituationen nach stationären Aufenthalten

Wer nicht zu uns passt (Kontraindikationen – Kurzüberblick)

Nicht geeignet ist das Setting unter anderem bei akuter, nicht steuerbarer Selbst- oder Fremdgefährdung, akuten psychotischen Zuständen, schweren Suchterkrankungen ohne Bereitschaft zur Entgiftung oder wenn ein vollstationärer kinder- und jugendpsychiatrischer Rahmen zwingend erforderlich ist. In solchen Fällen beraten wir zu geeigneten Alternativen und unterstützen bei der Weitervermittlung.

Behandlungsziele

Zentrales Ziel der Behandlung ist die Stabilisierung und Wiederherstellung des Funktionsniveaus in Schule, Ausbildung, Familie und sozialem Umfeld. Die Jugendlichen sollen ihren Alltag wieder aktiver, selbstbestimmter und mit mehr innerer Sicherheit gestalten können.

Funktionsniveau & Struktur

  • Aufbau einer verlässlichen Tagesstruktur
  • Rückkehr in Schule oder Ausbildung vorbereiten
  • Steigerung von Konzentrations- und Lernfähigkeit

Emotionale Stabilität

  • Verbesserung von Emotionsregulation und Stressbewältigung
  • Reduktion von Angst, depressiver Symptomatik und Anspannung
  • Stärkung von Selbstwert und Selbstwirksamkeit

Beziehungen & Familie

  • Förderung von Sozialkompetenz und Konfliktfähigkeit
  • Verbesserung familiärer Kommunikation und Rollenklärung
  • Aufbau tragfähiger Unterstützungsnetzwerke

Behandlungsmodell & Therapiebausteine

Die Behandlung in der Tagesklinik folgt einem integrativen, stufenweise aufgebauten Behandlungsmodell. Verhaltenstherapeutische Methoden und tiefenpsychologisch fundierte Verfahren werden gezielt kombiniert, um sowohl aktuelle Symptome als auch dahinterliegende Beziehungsmuster und Konflikte zu bearbeiten. Die Regeldauer beträgt in der Regel acht bis sechzehn Wochen.

Einzeltherapie

Wöchentliche Einzelgespräche (50–60 Minuten) ermöglichen eine vertiefende Bearbeitung individueller Themen – von inneren Konflikten über Biografiearbeit bis zu konkreten Verhaltenszielen. Einsichtsorientierte Arbeit und praktische Übungen greifen ineinander.

Morgengruppe

Die tägliche Morgengruppe strukturiert den Tag, überprüft Befinden und Ziele, greift aktuelle Themen aus Schule, Familie und Peergroup auf und trainiert soziale und emotionale Kompetenzen in der Gruppe.

Psychoedukation

In psychoedukativen Modulen werden Hintergründe psychischer Störungen, Stressreaktionen und Bewältigungsstrategien verständlich vermittelt. Jugendliche lernen, Symptome einzuordnen und aktiv Einfluss zu nehmen.

Kognition & Lernen

Strukturierte Kognitions- und Konzentrationstrainings sowie lerntherapeutische Elemente unterstützen bei Aufmerksamkeitsproblemen, Teilleistungsstörungen und schulischen Blockaden.

Musik- & Entspannungs- therapie

Musiktherapie, Atem- und Entspannungsverfahren helfen, Spannungen zu regulieren, innere Zustände auszudrücken und neue Zugänge zu Ressourcen und Selbstregulation zu finden.

Sozialkompetenz & Alltagsfertigkeiten

Training von Kommunikation, Impulskontrolle, Konfliktlösung sowie alltagspraktischen Fähigkeiten (Planung, Umgang mit Medien, Selbstfürsorge) unterstützt die Übertragung von Therapieerfolgen in Schule, Familie und Freizeit.

Familienarbeit & Schulkooperation

Regelmäßige Familiengespräche und systemische Arbeit beleuchten und verändern familiäre Muster. In enger Kooperation mit Schulen, Jugendhilfe und weiteren Hilfesystemen wird eine tragfähige Perspektive entwickelt – von Fördermaßnahmen über Schulrückkehr bis zu Übergängen in Ausbildung.

Sicherheits- & Krisenpläne

Für alle Jugendlichen werden individuelle Krisen- und Sicherheitspläne entwickelt: Frühwarnzeichen, Notfallkontakte, entlastende Strategien und Vereinbarungen für Krisensituationen werden klar festgehalten und mit Familie und Netzwerkpartnern abgestimmt.

Tages- und Wochenstruktur

Die Tagesstruktur ist auf die entwicklungspsychologischen Bedürfnisse von Jugendlichen ausgerichtet. Ein klar gegliederter Vormittag mit festen Modulen schafft Sicherheit, Vorhersagbarkeit und Raum für Veränderungen.

Beispielhafter Tagesablauf (Montag–Freitag)

Zeit Inhalt Psychologischer Fokus
08:00 08:30 Ankommen & Morgengruppe Befindenscheck, Aktivierung, Tagesziel, soziale Einbindung
08:30 09:30 Gruppenmodul (z. B. VT-Gruppe, Impulskontrolle, Beziehungsmuster) Emotionsregulation, Selbstbild, soziale Kompetenz
09:30 09:45 Pause Regeneration, informeller Austausch
09:45 10:35 Einzeltherapie / Lern- oder Musiktherapie (rotierend) Vertiefte Bearbeitung individueller Themen, Ressourcenaktivierung
10:35 11:15 Psychoedukation / Entspannung / Wochenplanung Verstehen – Üben – Transfer in Schule, Familie, Wochenende
11:15 12:00 Konzentrations- und Aufmerksamkeitstraining Stärkung der Selbstwirksamkeit, Förderung alltagsnaher Umsetzung und Training sozialer Kompetenzen. Ausbau von kognitiven Fähigkeiten
12:00 13:00 Pause Regeneration, informeller Austausch
13:00 13:45 Entspannungsverfahren / Lern- und Einzeltherapie / Wochenplanung Förderung der Fähigkeit, sich im Alltag eigenständig zu regulieren, Krisen frühzeitig zu erkennen und hilfreiche Verhaltensketten aufzubauen
13:45 14:35 Kunst- und oder Musik Stressabbau, Stärkung der Selbstwahrnehmung und Förderung eines gesunden Ausdrucks und Umgangs mit Emotionen

Wochenstruktur – Schwerpunkte

  • Montag: Wocheninitial, Zielvereinbarung, Strukturaufbau
  • Dienstag: Impulskontrolle & Affektregulation, Alltagskompetenzen
  • Mittwoch: Beziehungsmuster, Selbstbild, tiefenpsychologische Vertiefung
  • Donnerstag: Familien- und Systemgespräche, Kommunikation & Grenzen
  • Freitag: Wochenreflexion, Krisenpläne, Planung des Wochenendes

Team, Rollen & Qualitätssicherung

Die Tagesklinik Sonnenwende arbeitet mit einem multiprofessionellen Team. Psychotherapeutische, pädagogische, sozialpädagogische und lerntherapeutische Kompetenzen greifen ineinander, um eine ganzheitliche Versorgung zu gewährleisten.

Therapeutische Leitung

Die fachliche und organisatorische Leitung liegt bei einer approbierten psychotherapeutischen Fachkraft. Sie verantwortet Diagnostik, Indikation, Behandlungsplanung, Krisensteuerung und Qualitätssicherung.

Multiprofessionelles Team

Zum Kernteam gehören Kinder- und Jugendlichen- psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Pädagog*innen, Sozialpädagog*innen, eine integrative Lerntherapie sowie Musik- und ggf. Ergotherapie. Ergänzend bestehen ärztliche Anteile für somatische und pharmakologische Fragen.

Personalschlüssel

Im Durchschnitt steht etwa eine Fachkraft für 2,5–3 Behandlungsplätze zur Verfügung. So können Einzel- und Gruppenangebote, Familienarbeit, Krisenintervention und Dokumentation in hoher Qualität umgesetzt werden.

Supervision & Fortbildung

Regelmäßige externe Supervision, wöchentliche Teamreflexionen und interne Fortbildungen zu Themen wie Trauma-Sensibilität, Kinderschutz, Deeskalation, interkulturelle Kompetenz und Datenschutz sichern die fachliche Weiterentwicklung und die emotionale Entlastung des Teams.

Kinderschutz, Gewaltschutz & Krisenmanagement

Der Schutz der uns anvertrauten Jugendlichen hat oberste Priorität. Die Tagesklinik verfügt über ein verbindliches Kinderschutz- und Gewaltschutzkonzept. Es orientiert sich an den rechtlichen Vorgaben des SGB VIII, des KKG, des PsychThG sowie an den Empfehlungen der Landeskommission Berlin gegen Gewalt.

Strukturen & Zuständigkeiten

  • benannte Kinderschutzfachkraft (insoweit erfahrene Fachkraft § 8a SGB VIII)
  • verbindliche Hausordnung und Verhaltenskodex für Mitarbeitende
  • erweitertes Führungszeugnis für alle Mitarbeitenden in regelmäßigen Abständen
  • klare interne Meldewege bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung

Deeskalation & Krisenablauf

  • Fokus auf Prävention, Früherkennung und deeskalierendes Handeln
  • Prinzip „minimale Intervention“: geringstmögliche, aber wirksame Maßnahmen
  • klarer Handlungsplan bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung (Einbindung Leitung, Kinderschutzfachkraft, Jugendamt, Krisendienst, Notruf bei unmittelbarer Gefahr)
  • systematische Dokumentation aller Krisen und Nachbesprechungen

Jugendliche und Angehörige werden über Beschwerdewege und externe Beratungsstellen informiert. Beschwerden werden ernst genommen, dokumentiert und fließen in die Weiterentwicklung des Angebots ein.

Kooperationen & Übergänge

Die Tagesklinik Sonnenwende versteht sich als Teil eines regionalen Versorgungsnetzwerks. Wir arbeiten eng mit Jugendämtern, Schulen, niedergelassenen Praxen, Kliniken und Beratungsstellen zusammen. Ziel ist ein „warm handover“ – also ein geplanter, transparenter Übergang ohne Brüche.

  • Kooperation mit Schulen und schulischen Hilfesystemen (z. B. Schulsozialarbeit)
  • enge Abstimmung mit Jugendämtern im Rahmen von Hilfeplanverfahren (§ 36 SGB VIII)
  • Zusammenarbeit mit kinder- und jugendpsychiatrischen Kliniken und Ambulanzen
  • Vernetzung mit Beratungsstellen, Krisendiensten und weiteren Trägern der Jugendhilfe

Bereits während der Behandlung werden Anschlussangebote vorbereitet: ambulante Psychotherapie, Jugendhilfeleistungen, schulische Fördermaßnahmen und ggf. weitere medizinische oder soziale Hilfen. Abschlussberichte stellen sicher, dass Ziele, Ressourcen, Risiken und Schutzfaktoren sowie konkrete Empfehlungen nachvollziehbar weitergegeben werden.

Standort & Räumlichkeiten

Die Tagesklinik Sonnenwende befindet sich in der Wilhelmstraße 154, 13595 Berlin-Spandau. Die Räumlichkeiten sind barrierearm zugänglich und tageslichthell gestaltet. Einzel- und Gruppenräume, Musik- und Entspannungsbereiche sowie Lern- und Arbeitsplätze bieten einen geschützten, freundlichen Rahmen.

Ein separater Bereich dient vertraulichen Gesprächen und Kriseninterventionen. Ein strukturiertes Hygienekonzept, regelmäßige Begehungen und Infektionsschutzmaßnahmen gewährleisten die gesundheitliche Sicherheit der Jugendlichen und des Teams.

Kontakt & Aufnahme

Sie möchten einen Jugendlichen anmelden oder sich zunächst beraten lassen? Gerne klären wir in einem Vorgespräch, ob das Angebot der Tagesklinik Sonnenwende passend ist und welche Schritte notwendig sind.

Kontakt

Tagesklinik Sonnenwende
Wilhelmstraße 154
13595 Berlin-Spandau
Telefon: +49 30 22 4543 22
E-Mail: hilfe@tagesklinik-sonnenwende.de

Zuweisungen können über Jugendämter, Kliniken, niedergelassene Behandler*innen oder Beratungsstellen erfolgen. Auch direkte Anfragen von Sorgeberechtigten sind möglich – wir unterstützen dann bei der weiteren Abstimmung.

Kurz zum Aufnahmeprozess

  1. Erstkontakt und telefonische Beratung
  2. Vorgespräch mit Jugendlichen, Sorgeberechtigten und ggf. Jugendamt
  3. Diagnostikphase (Anamnese, Fragebögen, Einschätzung Funktionsniveau)
  4. gemeinsame Ziel- und Behandlungsplanung
  5. Start der tagesklinischen Behandlung